Eve Monnier, Malerin
Text auf Französisch von Adrien Bordone
Frei übersetzt von Christine Le Pape Racine, 4583 Muhledorf                                       27. Oktober 2015

 

 


Eve Monnier wurde 1968 in Biel geboren, wo sie ihre Schulzeit verbrachte. In Neuchâtel und schliesslich
in der „Ecole d’art appliqueée“ in La Chaux-de-Fonds bildete sie sich gestalterisch aus. Seit 1994
zeigt sie Schweiz weit in persönlichen oder kollektiven Ausstellungen ihre Werke. Ab dem 30. Oktober,
Vernissage 18 h 30 stellt sie zum ersten Mal in der Buni Galerie Dotzige aus.


Eve Monnier ist Malerin. Um es anders zu sagen, sie verwirklichtuber das vermittelnde Material ihrer
Bilder ihre Visionen. Es sind ihre ganz persönlichen Visionen, leicht irreal, vielleicht ein wenig träumerisch,
ein wenig magisch. Visionen von Dingen, die sie allerdings selbst gesehen hat, die sie sogar oft
fotografiert und dann skizziert hat, um so zu einem ersten Wurf zu kommen, eine erste Spur, die sie in
der Folge in ihrem Atelier bearbeitet, verfeinert, präzisiert. Sie tritt in einen langen Prozess ein, wo sie
eine Vielfalt von Formen, Strichen, Versuchen und Bildausschnitten ausführt: sehr viele Möglichkeiten,
unter welchen sie eine findet, die sie auswählt, und von der aus sie zu malen beginnt.


Eve Monnier ist Malerin. Das heisst also auch, dass zwischen dem von ihr Gesichteten und dem, was
sie heute den Betrachtenden vorschlägt, eine grosse Arbeit steht. Es handelt sich vorerst um eine
spontane Ausdruckskraft der in ihr vorhandenen Energien, dann eine Arbeit, die nicht ohne Retouchen
auskommt, ohne Korrekturen, ohne Einschränkung. Ihre Kreation funktioniert also dialektisch mit ihrem
Gegenteil: Das Löschen, die Unterdruckung und das Überschreiten der alten Formen durch lebendigere.
So entstehen nach und nach diese abstrakten Landschaften, diese himmlischen oder wilden Atmosphären,
diese roten Wälder, diese grünen Berge, ein geheimnisvoller, verzierter Symbolismus, bevölkert
von Bäumen oder Leuchtern, von wilden Tieren, von Gebäuden, von Buschen, Bächen, von
Hieroglyphen: ein kolorierter Wirbel, in welchem sich einige Individuen tummeln.


Wenn Eve Monnier Malerin ist, bedeutet das, dass sie nicht Graphikerin ist, dass sie keine visuelle
Kommunikation macht, dass sie nicht da ist, um uns zu uberzeugen oder um uns zu blenden, hingegen
um „unendliche Objekte“ zu präsentieren, im Sinne von unfertigen Objekten, nicht vollendet, lückenhaft,
die nur der Blick des Betrachters, der Betrachterin vervollständigen kann. In der Tat, ein
Bild verlangt mehr als einfach Betrachtende: Es verlangt einen aufmerksamen Blick, der ganzheitlich
vorgeht:


- Indem wir unseren Blicküben, vertieft betrachten, überraschen wir uns selber;
- indem wir zum Beispiel den Spuren einer langen Linie folgen, ihren Konturen und ihren Umwegen,
um dann abrupt anzuhalten am Rande und im Kontakt mit einer grösseren Figur, die schliesslich
durch eine noch grössere zugedeckt wird.


Im diskreten Übergang von einem Gelb zu einem bleichen Orange, dann zu einem starken Grün oder
im Einbruch im Innern eines rosa Strandes, eines blauen Blitzes, der das Bild in zwei zu schneiden
scheint.... es ist in diesen Bewegungen, in denen die Blicke der Betrachtenden eine Vision erscheinen
lassen, die ohne sie nicht existieren wurde.


Denn, wenn Eve Monnier malt, macht sie weder Politik noch Philosophie: ihre erste Kraft ist nicht die
Idee, sondern das Gefühl. Sie arbeitet nicht mit Konzepten, sondern mit Affekten, mit der Wahrnehmung.
Sie windet sie, schnitzt sie, verbreitet sie und verdoppelt sie, um uns letztlich ein Werk zu präsentieren,
das uns gegenüber, fast wundersam aufrecht zu stehen scheint. Zu wirken heisst, weder zu
schwer noch zu kompliziert oder zu materiell, zu müde oder ermüdend, nicht zusammenbrechend
unter dem Gewicht der eigenen Absichten, auch nicht zu hell, zu leicht, zu nahe oder zu oberflächlich,
im Himmel der Ideen schwebend: Das Werk ist da, vor uns, uns gegenüber, es steht aufrecht, widersteht
uns und zieht uns in seinen Bann.


In ihrer Arbeit, in diesen Zwischenräumen, in ihrem unablässigen Hin und Her zwischen dem Papier,
dem Pinsel, der Kreide, der Leinwand, dem Pastell, dem Blick, der Hand und dem Körperüberträgt sie
uns etwas, was sie selber als Freude definiert: Die Freude als Atom des Glückes, Freude, Triumph
des Lebens, Freude, die uns heute Eve Monnier durch ihre Bilder schenkt.


Danke Eve

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